Frank Neuhaus über den FCG und seine Fans: „Seit der Rettung gibt es ein ganz enges Verhältnis!“

Der FC Gütersloh spielt immer häufiger zu zwölft. Nicht nur die Zuschauerzahlen im Ohlendorf Stadion im Heidewald sind in dieser Saison gestiegen, auch die lautstarke Unterstützung von den Rängen hat deutlich zugenommen. Gerade bei Auswärtsspielen hilft das der Mannschaft. Frank Neuhaus ist Vorstandsmitglied des FCG und seit vielen Jahren in der Fanszene aktiv. Helmut Delker unterhielt sich mit ihm vor dem Spiel bei der U21 des SC Paderborn über den zwölften Mann bzw. die zwölfte Frau. Das Interview ist im Stadionheft des FCG erschienen.

Frank, wir kratzen zuhause immer häufiger an der 1000er-Marke. Gegen Sportfreunde Siegen kamen beispielweise schon 801 Zuschauer. Siehst Du auch immer häufiger alte Bekannte im Stadion, die sich nach Jahren mal wieder ein Spiel anschauen?

Das ist des Öfteren der Fall. Beim Spiel in Clarholz hing beispielsweise eine Gütersloh Fahne, die ich schon über 15 Jahre nicht mehr gesehen hatte. Unser Zuschauerzuwachs kommt geschätzt zu einem Drittel aus „alten Bekannten“, hier schlummert also immer noch viel Potential.

Entdecken die Gütersloher den FCG gerade wieder?

Sie wertschätzen, respektieren und interessieren sich wieder für den FCG. Zur „Wiederentdeckung“ fehlt noch ein wenig, denn dann würden wir auch häufiger vierstellige Zuschauerzahlen haben. Bemerkenswert finde ich, wie viele unserer Fans nicht im Kreis Gütersloh wohnen. Das sehe ich u.a. an den Bestellungen im Online-Fanshop, die aus der ganzen Republik kommen. Oder auch bei den Heimspielen. Hier begrüßen wir regelmäßig Gäste, die sich aus Brilon, Essen oder aus dem Rheinland auf den Weg zum Ohlendorf Stadion im Heidewald gemacht haben.

Was ist die Ursache dafür? Ist das allein mit dem guten sportlichen Abschneiden der Mannschaft zu erklären?

Ganz wichtig ist das Gefühl, dass von der Mannschaft etwas zurückkommt. Auch wenn nicht immer alles klappt, merkt man genau, dass das Team über 90 Minuten alles gibt. Sportlicher Erfolg ist der größte Einflussfaktor auf die Zuschauerzahlen. Dazu kommen noch viele weitere Punkte, wie die Atmosphäre, ein gepflegtes Stadion, gutes analoges und digitales Marketing sowie eine hoch engagierte und professionelle Vereinsführung.

Seit der Rettung vor fünf Jahren gibt es ein sehr enges Verhältnis zwischen Fans, Mannschaft und Verein. Die 3. ManSchafft ist ja zum Beispiel aus dem Fanlager entstanden. Ich finde, dieses besondere Verhältnis hat auch sehr viel damit zu tun, dass man in den Krisenzeiten zusammen sehr viel mitgemacht hat, aber eben auch sehr viel erreicht hat.

In Sachen Zuschauer gehört ja der FC Gütersloh zusammen mit Wattenscheid 09 und den Sportfreunden Siegen zu den Topvereinen der Oberliga. Das ist ja auch in der Liga bekannt. Welche Resonanz bekommst Du bei den anderen Vereinen, wenn der FCG kommt?

Eine sehr positive Resonanz. Die Gastgebervereine profitieren finanziell von unseren Besuchen. Sie müssen dabei aber keinen erhöhten Aufwand für Sicherheit und Ordnungsdienst einplanen. Die Resonanz kann wie in Hamm vom gegnerischen Torwart (O-Ton: „Endlich mal Stimmung hier“) oder von den Vereinsverantwortlichen wie z.B. in Holzwickede oder Finnentrop kommen, die sich freuen, wenn wir Gütersloher auch nach dem Spiel noch ein wenig in deren Vereinsheimen verweilen.

Wie groß ist denn die Fanszene des FC Gütersloh im Moment?

Zur Fanszene zählen für mich alle, die einen Großteil der Auswärtsspiele besuchen und unseren FCG akustisch und optisch unterstützen. Das sind aktuell um die 120 Personen mit – das ist mir ganz wichtig – deutlich steigender Tendenz.

Du organisierst ja auch die Fanbusse für die Auswärtsspiele. Wieviel Leute fahren da normalerweise mit?

Die Zahl liegt im Durchschnitt bei 40 Personen, wir hatten ausverkaufte Busse nach Vreden und Paderborn. Weniger als 30 Mitfahrende hatten wir nie.

Stellst Du auch eine Zunahme der aktiven Fans fest?

Ja, definitiv. Gerade in dieser Saison sind wir gut gewachsen, wie man u.a. auch an einigen neuen Zaunfahnen erkennen kann.

Die Zugfahrten nach Clarholz und nach Wattenscheid waren doch bisher die Highlights, oder?

Es ist sehr schön nach vielen Jahren Bus- oder Autofahrten mal wieder in größerer Zahl mit der Bahn zu fahren. Es bereitete allen pure Gänsehaut, als man in Wattenscheid ausstieg und ohrenbetäubende „Gütersloh, Gütersloh“ Gesänge durch den Bahnhof schallten.

Wie ist denn zum Beispiel das Wattenscheid-Spiel aus Fan-Sicht gelaufen?

Erlebnisreicher als erwartet. Die Vorfälle am Stadioneingang hatten die bis dato gute Stimmung ziemlich getrübt. Einige haben aufgrund dessen auch auf das Aufhängen der Zaunfahnen oder die Kuscheltierwurfaktion verzichtet. Zum Glück waren wir in größerer Zahl vor Ort und haben uns verteidigt aber nicht provozieren lassen.

Sehr hilfreich war, dass die SGW Verantwortlichen alles dafür getan haben die Situation zu entschärfen und ihre Fehler einräumten. Zusammen mit der Polizei sorgten sie für einen sicheren Aufenthalt und eine geordnete Abreise der Zugfahrer mit einem Shuttlebus zum Bochumer Bahnhof. Erfreulicherweise litt die Unterstützung der Mannschaft nicht unter den Ereignissen. Die überdachte Tribüne im Lohrheidestadion ist natürlich auch ideal, um sich lautstark bemerkbar zu machen.

Am Ende braucht so einen Stress kein Mensch. In ein paar Jahren wird man sich hoffentlich nur noch an einen großartigen Auswärtssieg erinnern.

Trainer Julian Hesse hebt ja auch immer wieder hervor, wie sehr dieses Engagement der Fans der Mannschaft hilft. Wie beobachtest Du das?

In der Oberliga können Spieler nicht vom Fußball allein leben. Der Aufwand mit Training und Spielen kann also nicht ausschließlich finanziell honoriert werden. Deswegen sind die Anerkennung und Anfeuerung für die Mannschaft extrem wichtig.

Man hat es im letzten Heimspiel gegen Rheine gesehen, als in der zweiten Halbzeit die Kulisse da war und wir das Spiel gewonnen haben. Dann kommt ein Lucas Klantzos zehn Minuten vor Schluss rein, wirft sich in jeden Zweikampf und reißt die Zuschauer mit. So macht Fußball Spaß. Diesen Ruf des „Hexenkessel Heidewald“ gilt es zu hegen und zu pflegen. Ich weiß auch, dass das Ohlendorf Stadion im Heidewald und die Stimmung der Fans im Stadion für Rob Reekers immer gute Argumente sind, wenn er mit neuen Spielern spricht.

Die Fahrten mit dem Fanbus haben beim FCG eine lange Tradition. Ich bin zum Beispiel 1978 als Elfjähriger zum ersten Mal mitgefahren. Da ging’s zum Bünder SV und ich glaube, der FCG hat damals 2:0 gewonnen. Was war Deine Bus-Premiere als Fan?

Die war im September 1992. Den Bus hatten wir (Uwe Steinkolk und ich als Gründer des Fanclubs „FANATICS GÜTERSLOH“) selbst organisiert. Ein Busunternehmen zu finden war nicht einfach, viele sagten sofort ab, wenn sie hörten, dass es um eine Fanbus Fahrt ging. Letztlich hatten wir einen alten, gelben klapprigen Bus voll mit Dosenbier und altgedienten FCG Fans, die wir in den Kneipen „Dohle“ und „Nordpol“ einsammelten.

Als Tabellenzweiter trat unser FCG vor 1.500 Zuschauern bei der Spvg. Brakel an. Leider verloren wir 0:1. Die Rückfahrt verzögerte sich etwas, da ein Teilnehmer genannt „Tiger“ (Markenzeichen Schottenrock und lange Haarmähne) fehlte. Wir fanden ihn schließlich in einer nahegelegenen Mehrzweckhalle, wohlgemerkt auf der Bühne, nicht im Publikum. Dort hatte eine örtliche Volksschauspielgruppe ihre Theateraufführung. Unsere Erleichterung und die der älteren Laienschauspieler war groß, als wir den „Tiger“ in unsere Obhut nehmen konnten und die Vorstellung ohne den „Gaststar“ weitergehen konnte.

Mit Anekdoten zu Fanbus Fahrten könnte ich wahrscheinlich ein Buch füllen.

Gibt es denn Ideen für die Zukunft oder Aktionen, die für die Fans geplant sind?

Eine Aufstiegsfeier wäre nett…. Spaß beiseite, die gibt es: Angefangen von Fahnenmaltagen über Fanabende im Vereinsheim bis hin zur Klärung der Frage, ob man bei Abendspielen mit einer kontrollierten Pyroshow für Atmosphäre im Ohlendorf Stadion im Heidewald sorgen dürfte. Wichtig ist mir auch, dass sich die Fans nicht nur für unsere erste Herrenmannschaft interessieren. Unsere frisch aufgestiegenen Futsaler spielen meistens samstags Regionalliga und vielleicht demnächst auch in einer repräsentativeren Halle. Warum nicht auch mal schöne Futsal Auswärtsfahrten nach Bielefeld, Münster oder Wuppertal unternehmen?

Herzlichen Dank, Frank!

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