Vor 50 Jahren: SVA Gütersloh wird Verbandsliga-Meister 1971

Es ist eine der Sternstunden des Gütersloher Fußballs: Vor genau 50 Jahren gewann SVA Gütersloh die Meisterschaft in der Verbandsliga und ist anschließend auch in die Regionalliga aufgestiegen. Im Entscheidungsspiel um den Titel besiegte die SVA am 9. Mai 1971 den VfL Klafeld-Geisweid mit 1:0. Das Spiel fand vor mehr als 2.000 Zuschauern im Hagener Ischelandstadion statt. Der Titelgewinn bildete den Auftakt eines spannenden Gütersloher Fußball-Jahrzehnts mit einem neuen Heidewaldstadion, Siegen über Borussia Dortmund, den Zweitliga-Jahren der DJK Gütersloh und der Gründung des FC Gütersloh. Zum 50jährigen Jubiläum blicken wir auf die Verbandsliga-Meisterschaft der SVA im Jahre 1971 zurück. Der Gütersloher Journalist Uwe Caspar erinnerte in der Glocke an dieses legendäre Team und stellte uns für das Jubiläum diesen Artikel zur Verfügung. Danke!

Der Fußball Anfang der 1970er-Jahre: Spielerwechsel und Gelbe Karte gab es noch nicht, in der Abwehr agierte der sogenannte Stopper (auch Mittelläufer genannt) zusammen mit seinem Vorstopper, im Angriff agierten fünf Stürmer mit einem linken und rechten „Läufer“ und bei Punktgleichheit entschied nicht das Torverhältnis, stattdessen wurde ein Entscheidungsspiel angesetzt. Und auf den Sportseiten der heimischen Zeitungen erschienen Fotos ausschließlich in grauem Schwarz-Weiß.

Alles andere als grau indes, eher schon golden, gestaltete sich diese Ära für den Gütersloher Fußball. Der Beginn seiner Blütezeit: Vor 50 Jahren, also 1971, folgte die SV Arminia ihrem Ortsrivalen DJK in die Regionalliga West, seinerzeit die zweithöchste nationale Liga. Somit war Gütersloh die einzige mittelgroße Stadt in der damaligen Bundesrepublik, die gleich zwei Profiklubs stellte.

Dabei schien die SVA im November 1970 in der Verbandsliga-Tabelle hoffnungslos abgeschlagen im Titelrennen, erst nach einem Trainerwechsel wendete sich für die „Grünen“ das Blatt zum Guten: Unter Willy („Eiche“) Haubrock (löste Willi Overdiek ab) startete der Heidewald-Verein eine furiose Aufholjagd, „Haubrock war der richtige Trainer zum richtigen Zeitpunkt“, sagte später der einstige SVA-Vorsitzende Dr. Ernst Altenpohl. „Seine Stärke: Er konnte uns hervorragend motivieren. Von Taktik-Tüftelei hielt er gar nichts. Eiches Motto hieß stets: Der Gegner solle sich nach uns richten und nicht umgekehrt“, erinnert sich der dribbelstarke Flügelflitzer Günter („Schauti“) Srowig, Mitglied der 71er-Meistermannschaft und zuverlässiger Elfmeter-Provokateur in fast jeder Saison . Er sei aber kein Elfer-Schinder gewesen, wie Srowig heute schmunzelnd versichert: „80 Prozent der Strafstöße, die ich herausgeholt habe, waren vollkommen korrekt.“

Obwohl die SVA unter Schneidermeister Haubrock der Konkurrenz viele empfindliche Stiche zufügte, blieben ihm und seinen Schützlingen zwei Entscheidungspartien gegen SpVg. Hamm wegen Punktgleichheit (beide 43:17, zu jener Zeit gab es nur zwei statt drei Punkte für den Sieg) nicht erspart. Beim ersten Duell in der proppenvollen Beckumer Römerkampfbahn (10.000 Zuschauer, die Hälfte aus der Dalkestadt) musste sich SVA gegen den selbst ernannten Favoriten (Trainer Dagmar Drewes tönte: „Wir sind in Hochform, hauen die Gütersloher weg“) mit einem 2;2 begnügen, wobei Abwehrchef Helmut Jonscher und Torjäger Dieter Meis die beiden Treffer erzielten. Der zweite Relegationskrimi nur wenige Tage später mobilisierte sogar 13.000 Fans. Srowig rückblickend mit Gänsehaut-Kribbeln: „Das kleine Stadion platzte fast aus allen Nähten, das war der reinste Wahnsinn!“ Dank der Tore von Horst Michalzyk und Dieter Meis (2) gewann der Westfalenmeister vor der Riesenkulisse mit 3:2, zugleich war’s die 15. Meisterschaft in Haubrocks Trainerkarriere. Und am Tag des Triumphs gab es noch etwas zu feiern ­- Torwart Hermann Gotthelf hatte die Truppe zu seinem Polterabend eingeladen,

Danach folgte die nächste Herausforderung: In der Partie gegen VfL Klafeld Geisweid ging es um den westdeutschen Titel, den sich die Dalkestädter dann mit einem 1:0-Sieg sicherten. Vorher musste der Coach eine Schocknachricht verdauen: Haubrock hatte via Telefon eine Morddrohung erhalten. Der Anrufer, vermutlich aus dem Sauerland: „Herr Haubrock, wenn Sie in die Wege leiten, dass SVA nicht in die Regionalliga aufsteigt, bekommen Sie 2000 Mark. Helfen sie uns nicht, schlagen wir Sie tot.“ Wahrscheinlich ein ganz übler Scherz aus der untersten Schublade. Doch „Eiche“ sollte noch lange leben, er verstarb 84-jährig.

Unbeeindruckt von der telefonischen Drohung marschierten die „Grünen“ unaufhaltsam weiter, ließen in der Aufstiegsrunde SF Siegen (1:1, 2:0) und Bayer Uerdingen (1:1, 1:0) ungeschlagen hinter sich. Der Schneidermeister Willy Haubrock lieferte auch auf dem Sportplatz Maßarbeit ab. Und er liebte bisweilen die Selbstinszenierung: Nach bedeutenden Siegen ließ sich der „Feierabendtrainer“ nur allzu gern von zwei Spielern auf deren Schultern vom Rasen tragen. „Entscheidend für den Aufstieg war das 1:0 in Uerdingen, das wir vor allem unserem unüberwindbaren Keeper Gerd Schobert verdanken durften“, schweift Günter Srowig zurück. Mit dem Sprung in die Regionalliga endete Haubrocks kurze, erfolgreiche Mission, bevor er 1975 noch einmal zurückkehrte. Der Trainerlegende hat sein Sohn Wilhelm eine 350 Seiten starke Biographie gewidmet. Die ist nicht mehr im Buchhandel erhältlich, einige Exemplare kann aber Wilhelm Haubrock auf Wunsch noch nachliefern,

Bis auf auf die inzwischen verstorbenen Bubi Brylewski (einst der Mittelfeld-Ballzauberer) und Erhard Ahmann (gnadenlos als eisenharter Verteidiger) erfreuen sich die früheren Heidewald-Helden – sie sind jetzt zwischen 70 und 80 – noch guter Gesundheit, sieht man von den altersüblichen Wehwehchen ab. Heute noch treffen sich viele von ihnen regelmäßig, unternehmen auch gemeinsame Fahrradtouren, „Der große Zusammenhalt, der unsere Mannschaft auch nach dem Training so auszeichnete, ist selbst nach 50 Jahren immer noch da“, freut sich Srowig. Viel zu verdienen gab es in der glorreichen Zeit nicht: Die bescheidenen Grundgehälter der SVA-Akteure bewegten sich zwischen 150 und 250 Mark, Gern möchte „Schauti“ zum Aufstiegs-Jubiläum seine Kicker-Kumpel noch einmal zusammentrommeln, er bedauert allerdings: „Wegen Corona können wir im Moment nichts planen.“

Auf dem Mannschaftsfoto von 1971:
Hinten von links: Volker Peschke, Dieter Meis, Axel Preuß, Wolfgang Mocek, Günter Srowig, Eckhard Schlingmann, Helmut Jonscher, Masseur Berni Engelmeier, Trainer Willy Haubrock.
Knieend von links: Gerd Schobert, Hermann Gotthelf, Bubi Brylewski, Erhard Ahmann, Günther Lubasch.

Mehr zur Historie des FC Gütersloh gibt es hier.

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Von links; Dieter Meis, Wolfgang Mocek und Volker Peschke bei einem Wiedersehen im Jahr 2015.
Günter Srowig (mitte), der inzwischen verstorbene Werner Waddey (links) und Detlev Kemena, die erst nach dem Aufstieg zur SVA stießen.
Vier Jahre nach dem Titelgewinn 1971 gewann die SVA Gütersloh erneut die Meisterschaft in der Verbandsliga,
verpasste aber den Aufstieg in die zweite Liga.
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